Rückblick auf den 4. Hamburger MINT-Tag

Am 29. November hat zum vierten Mal in ganz Hamburg der MINT-Tag stattgefunden. Er bietet den großen Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, die sich hinter dem kleinen Kürzel MINT verbergen, das, was Kunst, Sprachen und Sport längst haben: eine Bühne und Aufmerksamkeit. Dafür startete am Morgen Hamburgs größter Schulwettbewerb, fanden bis in den Abend hinein wissenschaftliche Vorträge und öffentliche Podiumsdiskussionen statt oder experimentierten große mit kleinen Schüler*innen gemeinsam.

Über 1.000 Klassen, 25.000 Teilnehmer*innen, 90.000 verbaute Bambusstäbe und am Ende eine spannende Frage: Wer gewinnt den landesweiten Schulwettbewerb zum diesjährigen Motto "MINT bewegt"? Die ganze Stadt, natürlich! Darin sind sich die Veranstalter des 4. Hamburger MINT-Tags mit ihrem Schirmherrn Ties Rabe einig: Schließlich haben Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik den Menschen Fortschritt und Komfort gebracht, wie der Schulsenator betont. In seiner Ansprache vor der Siegerehrung berichtet Rabe von seinem Besuch in einem ausgegrabenen Wikingerdorf, wo die Menschen vor gut 1.000 Jahren noch in Erdhöhlen lebten. "Heute haben wir Solarenergie auf dem Dach und warme Kinderzimmer – wie schön, dass es Erfinder gibt".

Rabe spricht diese Worte in einem warmen, hell erleuchteten Raum im Schülerforschungszentrum Hamburg. Viele junge Forscherteams arbeiten hier nachmittags an ihren Fragestellungen: Die Achtklässler Alex, Nikola und Joshua vom Friedrich-Ebert-Gymnasium ergründen beispielsweise am Gaschromatographen, warum Äpfel tatsächlich auch nach Apfel schmecken; Kilian (7. Klasse, Gymnasium Rissen) baut "Meldich", ein System, um Schülermeldungen elektronisch zu erfassen und gerechter zu bewerten, und die Abiturientin Nathalie (Gymnasium Süderelbe) hat nachgewiesen, wie stark antibiotikaresistente Keime Hamburgs Fließgewässer belasten. Für diese Nachwuchs-Talente ist mindestens einmal die Woche MINT-Tag, wenn sie an ihren Experimenten weiterarbeiten können – und dürfen: "Leidenschaftlich und hochmotiviert", lobt Rabe.

Forschergeist und Fortschritt bilden denn auch für den Senator die Klammer, die MINT so besonders machen. Aber es gibt ein drittes F, das an dem 4. Hamburger MINT-Tag die Stadt in Schwingungen versetzt: Fantasie. Es kommt nicht nur im Kreativpreis des Landeswettbewerbs zum Tragen, sondern auch, wenn schon Kita-Kinder in der Ausstellung "Little Mathe" in der Zentralbibliothek in Symbolen denken oder Mittelstufenschüler mit quadratischen Funktionen Basketballwürfe berechnen. So geschehen im Heisenberg-Gymnasium, das im MINT-Aktivitäten-Index mit sechs öffentlichen Veranstaltungen den zweiten Platz hinter dem benachbarten Friedrich-Ebert-Gymnasium mit sieben Angeboten belegt.

Aber auch das Gymnasium Bondenwald leuchtet an diesem grauen Novembervormittag mint-farben: Bis auf die Abiturient*innen habe alle Schulstufen zwischen acht und zehn Uhr früh ein Mobile gebaut, "das uns zeigt, wie vielfältig MINT bewegt", so die Aufgabenstellung aus dem MINTforum Hamburg. Anschließend begeben sich Neuntklässler des Wahlpflichtkurses "Lernen durch Lehren" in die Chemieräume. Dort haben sie zehn klare Flüssigkeiten vom Babyöl bis zum weißen Rum vorbereitet, die Viertklässler aus benachbarten Grundschulen systematisch vom Geruch, über den pH-Wert bis zur Wasserlöslichkeit analysieren. "Es stinkt", reiche nicht, ermuntert Soraya einen Viertklässler, "versuche, es genauer zu beschreiben." Jannik, der am Ende die Ergebnisse zusammentragen lässt, hat auch die schüchternen Schüler*innen im Blick: "Vielleicht jetzt mal andere, die noch nicht so viel gesagt haben." Das ist hochprofessionell, echt und motivierend. "Das hat richtig viel Spaß gemacht, das war cool", loben die Grundschüler*innen abschließend. Dem ist nichts hinzuzufügen.