Wundern statt Auswendiglernen

Fachtagung des MINTforum vernetzt Schule mit Experimentierwerkstätten

Hamburg, Oktober 2011. Hamburg mangelt es an Wissen und Können in den Na­tur­wis­sen­schaf­ten: Weil qua­li­fi­zier­te Fach­kräfte feh­len, sind in Nord­deutsch­land laut Institut der deutschen Wirtschaft Köln aktuell 10.000 MINT-Stellen nicht zu besetzen. Durch­schnitt­lich 126 lange Tage dauert in der Han­se­stadt die Vakanz für eine In­ge­nieurs­stel­le – damit hält Hamburg nach Aus­kunft der Bun­des­agen­tur für Ar­beit deutsch­land­weit den Ne­ga­tiv­re­kord. Auch dem Nach­wuchs fehlt das In­te­res­se. Im bun­de­swei­ten Bil­dungs­ver­gleich schnei­den Hamburger Schüler bei den Na­tur­wis­sen­schaf­ten „katastrophal“ ab, wie die Ham­bur­ger Schul­be­hör­de dieser Tage zugab.

Hier will das MINTforum Ham­burg ge­gen­steu­ern. Erste Impulse lieferte die Fach­ta­gung „Schüler forschen“ im Museum der Arbeit. Auf Ein­la­dung der Joachim Herz Stiftung, der Körber-Stiftung, des Lan­des­insti­tuts für Leh­rer­bil­dung und Schul­en­twicklung und der Nord­me­tall-Sti­ftung dis­ku­tier­ten über 150 Ham­burger Leh­rer und Ex­per­ten neue Wege, um Schü­lerinnen und Schü­lern technische und na­tur­wis­senschaf­tliche Fächer na­he­zu­brin­gen.

Ein er­folg­ver­sprech­en­der An­satz: Raus aus dem Klassen­raum und rein ins Labor zum selbst­stän­digen Ex­pe­ri­men­tie­ren. Erst­mals prä­sen­tier­ten sich auf der Ta­gung ge­bün­delt 26 Ham­burger Or­ga­ni­sa­tio­nen und Ver­eine, die Kin­dern und Ju­gend­lich­en die Mög­lich­keit zum prak­tisch­en For­schen bieten: Als „Kli­ma­bot­schaf­ter“ wer­ten Schü­ler Da­ten von Wetter­sta­tio­nen aus. Die­se werden an­schlie­ßend in re­gio­na­len Me­dien ver­öffent­licht. Bei den „Kin­der­for­schern an der TUHH“ können Schu­len Ex­pe­rimen­tier­kisten aus­leihen; auf dem „Gut Karlshöhe“ ent­decken Ju­gend­liche die Ge­setze re­ge­ne­ra­ti­ver E­ner­gie und Na­tur-Phä­no­me­ne wie Wind, Kälte und Sonne.

Eigenständiges Arbeiten erweckt die Naturwissenschaften zum Leben, Schüler gehen ihrer natürlichen Neugierde nach und entwickeln Spaß am entdeckenden Lernen. Der Astrophysiker und Wissenschaftsjournalist Prof. Harald Lesch unterstrich in seinem Vortrag, wie positiv und langfristig sich Naturwissenschaften einprägen, wenn sie direkt erlebt werden: „Die MINT-Fächer sind die Fächer, die junge Menschen und Erwachsene gleichermaßen zum Staunen, ‚Irren‘, Nachdenken bringen. Sie sind wahre Wunderfächer."

Schulsenator Ties Rabe unterstützt die neuen Ansätze für den naturwissenschaftlichen Unterricht: „Die Ergebnisse der erst kürzlich veröffentlichten Schulstudie KESS 11/12 haben leider erneut bestätigt, dass Hamburgs Schüler enormen Nachholbedarf im Bereich Naturwissenschaften haben. Dies stellt eine erhebliche Herausforderung für den naturwissenschaftlichen Unterricht dar. Jede Unterstützung für Lehrkräfte dabei, wie Schülerinnen und Schüler für MINT begeistert werden können, ist insofern herzlich willkommen.“